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DER PUDEL Nr. 3

Anagramme
 
mit Beiträgen von Neda Bei, Ilse Kilic, Petra Nachbaur und Barbara Zanotti
Wien (Verl. DER PUDEL) 2000
121 S.
 
Preis: 6,50 €

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Was die zeitgenössische österreichische Anagrammdichtung geleistet hat und zu bieten hat, beweisen viele Einzelpublikationen und Anthologien, die in der Bibliographie im Anhang aufgelistet sind; und natürlich der vorliegende Band. Ich habe die vier Autorinnen gebeten ihren Anagrammtexten einen Kommentar voranzustellen, der ihren Zugang zum Anagramm und ihre Arbeitsmethode skizziert.
 
Neda Bei hat mit dem in der Edition Freibord erschienen Band ICH NAGTE GRADE AM M ihre wichtigste Anagramm-Publikation vorgelegt. Programmatisch stellt der Titel - ein Anagramm des Untertitels ANAGRAMMGEDICHTE - syntaktisch und semantisch einen Bezug zur Form her. In den Texten fällt die rege Auseinandersetzung mit Namen (Roland Barthes, Unica Zürn, Gerhard Jaschke, Marcel Reich-Ranicki) und Vornamen auf.
 
Ilse Kilic verbindet Anagramme gerne mit anderen (literarischen und nicht-literarischen Formen). Ihr Prosatext ZIMMER IM MERZ kreist ständig um Anagramme. Die BILDANAGRAMME in diesem Band verbinden relativ kurze Anagramm-Texte mit Zeichnungen. Weiters hat sie gemeinsam mit Petra Nachbaur einen Film zu deren Anagrammen SCHNEEWEISSCHEN UND ROSENROT gemacht. Der zugrundeliegende Text ist in der Edition Freibord unter dem Titel DAS MAERCHENBUCH erschienen.
 
Petra Nachbaurs umfangreichste Anagramm-Publikation ist der in der herbstpresse erschienene Band DAS IST DANACH IM TIGER-MAGEN. Ähnlich wie bei Neda Bei nimmt der Titel - als Anagramm des Satzes DAS IST EIN ANAGRAMMGEDICHT - auf die Form Bezug. Nach den eingehenden Vorbereitungen auf diese Publikation kann ich mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass zwischen TIGER und ANAGRAMM ein Zusammenhang besteht. Denn der Tiger kommt nicht nur in den beiden besprochenen Bänden von Bei und Nachbaur, sondern auch in den hier abgedruckten Anagrammen der beiden vor.
 
Barbara Zanottis Anagrammgedichte stammen aus den Jahren 1992 bis 1999. Anders als Bei und Nachbaur, die es häufig bevorzugen das Grundmuster quasi als Auflösung an das Ende des Texts zu stellen, steht das Ausgangsmaterial (meist sind es Zitate) bei Zanotti als Titel über den Anagrammen. Der vom Ausgangssatz her konzipierte Aufbau lässt es auch zu, dass das strikte Anagrammieren gegen Ende zugunsten des Gedichts geopfert wird. Auch bei Zanotti sind gewisse semantische Vorlieben nicht zu übersehen und das (so geht es zumindest aus dem Kommentar hervor) ist auch ein wesentlicher Grundgedanke der theoretischen Überlegungen der Autorin.

Daniel Wisser