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Was die zeitgenössische österreichische Anagrammdichtung geleistet
hat und zu bieten hat, beweisen viele Einzelpublikationen und Anthologien, die
in der Bibliographie im Anhang aufgelistet sind; und natürlich der vorliegende
Band. Ich habe die vier Autorinnen gebeten ihren Anagrammtexten einen
Kommentar voranzustellen, der ihren Zugang zum Anagramm und ihre Arbeitsmethode
skizziert.
Neda Bei hat mit dem in der Edition Freibord erschienen Band
ICH NAGTE GRADE AM M ihre wichtigste Anagramm-Publikation
vorgelegt. Programmatisch stellt der Titel - ein Anagramm des Untertitels
ANAGRAMMGEDICHTE - syntaktisch und semantisch einen Bezug zur Form
her. In den Texten fällt die rege Auseinandersetzung mit Namen (Roland
Barthes, Unica Zürn, Gerhard Jaschke, Marcel Reich-Ranicki) und Vornamen
auf.
Ilse Kilic verbindet Anagramme gerne mit anderen (literarischen und
nicht-literarischen Formen). Ihr Prosatext ZIMMER IM MERZ kreist ständig
um Anagramme. Die BILDANAGRAMME in diesem Band verbinden relativ kurze
Anagramm-Texte mit Zeichnungen. Weiters hat sie gemeinsam mit Petra Nachbaur
einen Film zu deren Anagrammen SCHNEEWEISSCHEN UND ROSENROT gemacht. Der zugrundeliegende
Text ist in der Edition Freibord unter dem Titel DAS MAERCHENBUCH erschienen.
Petra Nachbaurs umfangreichste Anagramm-Publikation ist der in der herbstpresse
erschienene Band DAS IST DANACH IM TIGER-MAGEN. Ähnlich wie bei Neda
Bei nimmt der Titel - als Anagramm des Satzes DAS IST EIN ANAGRAMMGEDICHT -
auf die Form Bezug. Nach den eingehenden Vorbereitungen
auf diese Publikation kann ich mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass
zwischen TIGER und ANAGRAMM ein Zusammenhang
besteht. Denn der Tiger kommt nicht nur in den beiden besprochenen Bänden
von Bei und Nachbaur, sondern auch in den hier abgedruckten Anagrammen
der beiden vor.
Barbara Zanottis Anagrammgedichte stammen aus den Jahren 1992 bis 1999. Anders
als Bei und Nachbaur, die es häufig bevorzugen das Grundmuster quasi als
Auflösung an das Ende des Texts zu stellen, steht das Ausgangsmaterial
(meist sind es Zitate) bei Zanotti als Titel über den Anagrammen.
Der vom Ausgangssatz her konzipierte Aufbau lässt es auch zu, dass das
strikte Anagrammieren gegen Ende zugunsten des Gedichts geopfert wird.
Auch bei Zanotti sind gewisse semantische Vorlieben nicht zu übersehen und
das (so geht es zumindest aus dem Kommentar hervor) ist auch ein wesentlicher
Grundgedanke der theoretischen Überlegungen der Autorin.
Daniel Wisser
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