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DER PUDEL Nr. 10

Öller, Wilfried und Daniel Wisser:
Pudel zeichnet auf
Wien (Verl. DER PUDEL) 2003
73 S.
 
Preis: 6,50 €

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Anders als bei der herkömmlichen Dialektdichtung werden bei diesen Texten verschiedene ostösterreichische Dialektidiome und -register inkonsequent nebeneinander verwendet; im Vordergrund steht die dialektale Bedeutungsebene.
Die vorliegenden Texte sind keine Übersetzungen und keine Normaltexte mit eingesprengten Doppelbedeutungen, aber auch nicht eindimensionale Dialektgedichte, die durch die Wiedergabe in hochsprachlichen Homophonen bloß verrätselt werden. Für jeden Text gibt es zwei Lesarten. Die erste Lesart ist offensichtlich; die zweite muss bei der Rezeption entstehen. Den Leser erwartet also in chronologischer Reihenfolge ein dreifacher Genuss: Zunächst die Lektüre eines hochsprachlichen Gedichts, das interessant ist, bei dessen ästhetischer Bewertung man jedoch zögert; dann der Triumph des Entdeckens eines Gedichts hinter dem Gedicht. In manchen Fällen tritt das blitzartig ein, in vielen allmählich, in anderen erst nach einiger intellektueller Arbeit. Schließlich verfügt man souverän über beide Lesarten und hat die Möglichkeit, Beziehungen zwischen ihnen herzustellen.
Wir haben somit mehr als unsere Vorgänger darauf Wert gelegt, die neu entstehenden Texte zu eigenständigen Gedichten zu formen. Wir gehen dabei nicht von einer Vorlage aus, sondern lassen zwei neue Texte auf einmal entstehen, um den stets sekundären Charakter der Oberflächenübersetzung zu überwinden. So entstehen doppelschichtige Texte, deren erste Schicht ganz von einer zweiten verdeckt wird, die sich als Dialektlyrik ausgibt, bei der man den Dialekt allerdings vergeblich suchen wird.

aus dem Vorwort